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Ein interessantes Interview mit Mario Tronti findet man hier:

Tronti: The protest follows the wrong targets. Labor – precisely because it suffered in the previous phase of neoliberal globalization – was utilized for flexibilization and precarization. It didn’t get what it was owed. From this a crisis emerged because wage incomes and the growth of consumption could not be maintained in balance. Wages were pushed down too much. The imbalance between wage incomes and capital income was even too excessive for capital. They overdid it with wage cuts. This is why what we are experiencing appears also as an overproduction and underconsumption crisis. The social contradiction did play a role in the eruption of the crisis. That is why it is important to bring the force of labor back into the game, in order to make it visible and to show that it is not demobilized.

Bucci: This is a difficult operation in two respects. Firstly with respect to culture. For decades we have been told that labor is no longer central and that individual and collective identities constitute themselves through consumption. But there is also a political problem. Precisely when the economic crisis of capital reached its lowest point our political ability to organize is also at its lowest point.

Lärmen nach Zahlen

Ziemlich viele Zeichen für eine Band, deren neuer Output mal wieder berechenbar vor sich hinlärmt. Das kommt zumindest mir in den Sinn, wenn ich die neue Sonic Youth höre. Und dabei bin ich nicht allein.

Die meisten Journalisten hatten nie einen Einblick in die Welt, die uns tatsächlich ausmachte. Sie beschrieben uns als Rockband und dramatisierten die typischen Ambitionen, die sich aus solchen Bands herauslesen lassen. Was das angeht, empfand ich uns aber immer als langweilig. Ich fand Sonic Youth immer nur interessant als Beziehungspartner all der Künstler um uns herum, wie es die Ausstellung zeigt.

So zumindest Kim Gordon im Gespräch mit Christian und Hanno. Was gleich ein ganz anderes Licht auf die musikalisch vollkommen enttäuschende Periode mit Jim O’Rourke am Bass wirft. O’Rourkes elaboriertes Bezugssystem konnte sich innerhalb von Sonic Youth nie so richtig entfalten, vielleicht weil es den Grat, auf dem Sonic Youth wandeln – zu den Musikern wie ein Künstlern, zu den Künstlern wie ein Noiserocker sprechen- unterspült hätte, und die musikalische Ideenlosigkeit von SY nicht mehr zu verbergen gewesen wäre. Und ich erinnere mich wieder daran, dass ich noch nie auf einer Kunststudentenparty mit guter Musik gewesen bin. Und an Teenage Fanclub. “She’s gonna get some records by the Status Quo” singen diese und sind auf die gleiche Art langweilig wie vor 18 Jahren. Aber wärmen wenigstens nicht zum wiederholten Male das gleiche leere Transgressionsversprechen auf. Aber vielleicht sind die Zeiten auch so mies, dass die leeren Versprechungen auf einmal wieder ganz reizvoll erscheinen.

Leise Post


Wenn ich jemals nach meinem Lieblings-Konzeptkünstler gefragt werden sollte, dann werde ich David Horvitz nennen. Aber auch nur mit leichtem Schaudern, weil seine Arbeiten so charmant sind, dass Konzeptkünstler schon fast eine grobschlächtige Beleidigung ist. Und wenn ich es mir recht überlege, möchte ich die Ideen auf seiner Website auch nur ungern “Arbeiten” nennen. Sein neuestes Projekt ist eine Mailingliste. Jede Person, die dort eingetragen ist, bekommt von Horvitz Ideen geschickt, was man denn an einem Tag so tun könnte. Und als Archiv hat er ein schönes Tumblelog angelegt, wo jeder Gedanken als Screenshot aufbewahrt wird. Für die Ewigkeit oder so.

Keine Sternchen fürs Experiment

Interessant, wie sich eine Debatte in vollkommener Ahnungslosigkeit voneinander parallel entwickeln kann. Denn was ich in meinem Sonic Youth – Text kurz angedeutet hatte, hat Mark Fisher konsequenter formuliert. Sonic Youth, so seine Meinung, waren schon immer eine Gruppe von Kuratoren, deren Verweise konsequent das libidinöse Potential ihrer Musik unterdrück hätten und so letztendlich nicht anders können, als nur neue Distinktionen zu produzieren, deren Kapital mittlerweile aber gen null läuft. Interessante Reaktionen folgten und dann ein langer Post von Fisher als Abschluss:

Curating can have an important function to play, but with SY there has been a conflation of art and curatorialism – the alibi for their music’s increasingly poverty at a textural and textual level is the way it supposedly makes a wider audience aware of marginal material. Sonic Youth are ‘art’ in all the worst senses (they possess a certain insitutional prestige, a certain standing and position, a cetain set of meta-rationales for what they do); but they are not art in the sense that there is a compelling reason for them to exist – there is no more at stake here than just another cool leisure product with all the right credentials. 

Lesenswert, definitiv.