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Auch “Nicht-Studierte”, wie es so schön heißt, wissen mittlerweile, dass ein abgeschlossenes Hochschulstudium keine Garantie zum Geldverdienen ist. Marshall Shord hat für seine Abschlussarbeit über das Frühwerk von Thomas Pynchon angeblich jedoch einen Preis von $ 56.000 gewonnen. Dazu an dieser Stelle herzlichen Glückwunsch und gleich eine Nachfrage: Wie hat er das geschafft, obwohl er in seinem Essay das Personalpronomen der ersten Person Singular verwendet?

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Der Traum, der Thomas Müntzer und Scheich Bedreddin zum Aufstand bewog, den die »Bergpredigt« für ein Leben nach dem Tode verhieß und den François Babeuf und die Seinen im Diesseits verwirklichen wollten, der Traum, den Karl Marx und Friedrich Engels in einem kühnen Moment von der Utopie zur Gesetzmäßigkeit beförderten und zu dessen Verwirklichung sich die Sozialdemokratische Partei gründete, dieser Traum von einer klassenlosen Gesellschaft ist Realität geworden. Hier und Jetzt! Aus berufenem Munde, von Franz Müntefering, konnten wir in der vorigen Woche die frohe Botschaft vernehmen, dass zumindest hierzulande die Sozialdemokratie ihren historischen Auftrag erfüllt hat: »Es gibt keine Schichten in Deutschland.«

Alle klatschen mit

Auch drei Jahre nach Von Spar schreibt man Wut weiterhin mit drei Buchstaben und gemeinhin bekannten Zutaten: Bass, Schlagzeug und ein Moog, der wahlweise nach ACID-Fanfare oder stark moduliertem LFO klingt. Und dazu dann: “Deine Eltern sind Medien.” Bands wie diese sind die späte Bestätigung aller Pädagogenwarnungen, nach denen zuviel Fernsehen unkreativ macht. Aber egal, Mitmenschlichkeit als Epiphanie ist ja nicht das Schlechteste. Deswegen auch der Aufruf an alle Besucher kommender Mediengruppe Telekommander-Konzerte: Pünktlich kommen und rechtzeitig vorm Hauptact mit den Freunden in die Kneipe. Ich für meinen Teil geh jetzt Hair Police auflegen.

Fußlahme Gespenster


Dem Zwang zur Zweitverwertung geschuldet muss ich folgende Anekdote auch an dieser Stelle noch einmal ausbreiten. Donnerstag abend war ich aus Versehen auf einem Büchergespräch, das ich dummerweise in der Ankündigung als eine Lesung mit Diskussion verstanden hatte. Neben einer merkwürdigen Tendenz zur Vergötterung von Arno Schmidt mit erstaunlichen knappen Aussagen über sein Werk (“Spätwerk spielt in der Heide”) gab es dann also eine Diskussion über die Authentizität von einem Coming-of-Age Novel, dessen Titel ich wieder vergessen habe. Wie dem auch sei, nach Ende des Büchergesprächs wollte ich dann ein Buch von Dietmar Dath erstehen, dass ich während des Gesprächs im Regal entdeckt hatte. An der Kasse fing mich dann mein ehemaliger Fussballtrainer, übrigens promovierter Germanist, ab, warf einen Blick auf mein neuerstandenes Buch und meinte “Du solltest lieber die Klassiker lesen”. Erst war mir die Bedeutung dieses Satzes ein wenig unklar, sollte er ernsthaft vorschlagen, dass ich meinen Abend lieber mit Goethes Schriften über die Botanik als mit einem ausführlichen Ausflug ins Grauen verbringen sollte? Doch dann erinnerte ich mich. Eine halbe Stunde zuvor hatte er einen seiner Klassiker zitiert: “Ein Gespenst schleicht um in Europa.”

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Heute noch mit C. darüber geredet, dass die Omnipräsenz von Musik das einzig Gute an MySpace ist. Und jetzt lese ich diesen Artikel und kann mir irgendwie erklären, warum ich letztens beim Besuch im Lieblingsplattenladen meiner Jugend nicht mehr die Neugier von damals verspürt habe. Und bevor jetzt jemand mit diesem Distinktionsblabla ankommt, dass Soziologen gerne verwenden, wenn Sie nicht mitspielen dürfen: Neugier ist wie Schnapps und Pizza!

Proletarier und Lumpen

Das alte �Proletariat“ hat dies nie begriffen – es hat sich unter dem Namen �Sozialdemokratie“ einst politisch emanzipiert, nur um sich mit dem Erste-Welt-Status und daraus folgender Wohllebe zu arrangieren oder, wenn das mal nicht klappte, vom Imperialismus für Raubzüge anwerben zu lassen. Wenn die Unterschicht und ihre Antipoden, die Heuschrecken, gemeinsam dafür sorgten, daß solche faulen Lösungen der sozialen Frage auf Kosten von unsichtbar gemachten anderen endlich untragbar würden – wäre das kein Fortschritt?

Man beachte auch die beiden Leserkommentare. Während der erste Schirrmachers Thesen nachbetet, sie aber als eigenen unausweichliche Erfahrung tarnt, fordert der zweite mit einer Gelassenheit, die man wohl nur noch unter FAZ-Lesern findet, mehr akademische Ausgewogenheit von Herrn Dath. Wo leben diese Leute eigentlich?