Couch Potato


Ob Jamie Stewart jetzt eine Diva ist, oder nicht sei mal dahingestellt. Was mir aber beim Hören der neuen Xiu Xiu-LP auffällt ist die sanfte Monotonie, die sich so langsam bei ihm und besonders bei mir einschleicht. Auf ein paar Sequenzer und die flüsternde Stimme folgt immer der eruptive Ausbruch, eigentlich klassisches Indie-Songwriting alter Schule, zur Perfektion gelangt in Adorables “Homeboy“. Böswillige Menschen würden ihm daraus jetzt einen Strick drehen, aber wer “Xiu Xiu came from feeling stupid and lonely and then wanting to dance it away, but having the club and its music only magnify that stupid and lonely feeling” als Beweggrund zum Musikmachen angibt, wird sich darum wenig scheren. Erfolgreich scheint die Therapie aber wohl nicht zu sein.

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Enjoy!

Letztens wurde mir beim Essen vorgeworfen, dass ich Philosophie im Film am liebsten wie in “The Matrix” haben würde. Aus Gründen der Höflichkeit habe ich dann darüber geschwiegen, dass mir Philosophie als Argument am liebsten ist. Daran wird selbst Zizek! nichts ändern können, obwohl ich ihn im Gegensatz zum Film über Derrida wärmstens empfehlen kann. Beide gibt es übrigens bei Grey Lodge als Torrent.

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Toll trieben’s die alten Meme


Nachdem ich am Samstag im Zuge eines beruflich bedingten Besuchs in unserer Dorfdisco ein halbstündiges Gepräch über diesen Jahrtausendwendenhype namens Memetik führen durfte, bin ich nur allzugern bereit, mich an der Vulgarisierung dieser Theorie zu beteiligen. Wer würde sich dafür besser anbieten als Thomas Pynchon, Meister der unzusammenhängenden Zusammenhänge, öffentlichkeitsscheuer Celebrity-Autor und nebenbei auch noch Urlauber?

Urlauber? Genau! Wie viele andere Amerikaner machte Thomas Pynchon nämlich einmal Urlaub in Mexiko. Nun wollte es der Zufall, dass Lee Harvey Oswald zur gleichen Zeit Urlaub machte und zwar auch in Mexiko. Wenn wir jetzt einmal die Theorie der Memetik bemühen wollen, war es also so, dass Harveys Information darüber, wer denn jetzt der Auftraggeber hinter seinem Mord an John F. Kennedy war, dringend auf ihre Fortpflanzung drängten und sich dafür ausgerechnet einen formidablen Schriftsteller aussuchten, der sie dann irgendwie in die ganze Welt tragen kann oder zumindest auf den Schreibtisch seines Kollegen Don DeLillo.

Nur so kann ich mir die Behauptung der Macher von “Journey into the Mind of P.” erklären, dass Pynchon also das bestgehütete Geheimnis des US-amerikanischen Geheimdienstes mit sich tragen soll und mir fällt auch wieder ein, warum ich den Film bei seiner Erstausstrahlung schnell wieder abgeschaltet habe. Nun ist es aber so, dass Pynchon bald wieder ein neues Buch veröffentlicht, so dass die Geheimnismaschine wieder gut geölt wird. Und in diesem Zusammenhang habe ich heute erfahren, dass es eine Verfilmung von “Gravity’s Rainbow” gegeben hat, die aber nie in den USA veröffentlicht wurde, und dass obwohl Peter Lohmeyer mitgespielt hat. Ihr Name war übrigens “Prüfstand VII“, wird wohl der Qualitätsprüfstand gewesen sein.

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Klerikal? Faschismus?-Provinz!

So, die nächste Runde im Kampf um die Deutungshoheit über den Nahen Osten als Feld antifaschistischer Bemühungen scheint eröffnet. Es ist Tjark Kunstreich, der die Kontinuitäten von nationalsozialistischer Sozialpolitik und der der Hisbollah sowie die Gefahr eines neuerlichen Appeasement gegen den Klerikalfaschismus beschwört. Vielleicht hatte Elsässer da in prophetischer Hinsicht tatsächlich Recht und eine Klärung des Faschismus-Begriffs ist mehr als angebracht?

Unsere Stadtbücherei scheint das Problem schon gleichmal erledigt zu haben. Unter den DVDs finden sich ziemlich neben ziemlich allen Editionen der gesamten Herr der Ringe-Reihe so hochkulturelle Highlights wie “Der Untergang”, “Das Wunder von Bern” und noch mehr von diesem Kram. Man leidet wohl auf jeden Fall eine Menge hier.

Eine wenig durchdachte Position tragen dann auch die VertreterInnen der örtlichen Basisgruppe der Linkspartei an die (spärlich vorhandene) Öffentlichkeit: “In dem Nah-Ost-Konflikt muss Israel als eine Seite behandelt werden, die keinerlei geschichtlichen Vorteilsbonus verdient. Dann können auch Truppen dorthin entsandt werden, die die Israelis genauso wie Hisbollah-Kämpfer behandeln und notfalls auch bekämpfen. Meinetwegen auch deutsche.“, so sieht Heinrich Kowol die Ordnung der Dinge und Monika Sekler fügt hinzu: “Wie kann Israel, ein Volk aus Juden, die so schlimme Dinge unter dem Hitlerfaschismus erleiden mussten, wie kann so ein Volk eine solche Grausamkeit gegen ein anderes Volk begehen? Sie müssen doch wissen, wie die Menschen leiden, denn sie oder ihre Mütter und Väter haben damals selbst unmenschlich gelitten.
Torsten Wichert findet eine interessante Parallele: “Wer Israels Invasion nicht als Betroffener oder potenziell Bedrohter nicht Invasion der Aliens mit der Konsequenz der Bekämpfung und Ausrottung sehen soll, das wird den Libanesen und ihren inzwischen nicht mehr wenigen Opfern nichz mehr klarzumachen sein. Fragen Sie sich manchmal: Wem nützt es? Na ja, denken Sie nicht zuviel. Aber fangen Sie damit an. Schönen Tag noch.

Aber gerne doch, Herr Wichert! Und schon bin ich wieder bei meiner Lieblingsbeschäftigung-dem Verlinken von Dietmar Dath:
“Wenn man den Ausdruck „überdeterminiert“ für BEGRIFFE benutzt, heißt das, man sympathisiert mit der Ansicht, diese Begriffe hätten mehrere Eltern. Nehmen wir unter diesem Aspekt den Alienbegriff unter die Lupe; am besten anhand eines Beispiels aus der Science Fiction-Literatur, nämlich drei Romanen einer Frau namens Patricia Anthony.”

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