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In Zeiten studentischer Protestbewegungen stelle ich mir eine Redaktionssitzung linksradikaler Medien ungefähr wie folgt vor:

CvD: ..und dann wäre da noch das Thema “Studentenproteste”. Die sind ja nicht zimperlich diesmal. Aber was haben sie theoretisch zu bieten? Wollen wir darüber was machen?

Unterdessen langweilen sich die Redakteure, lesen lieber de-bug oder Titanic, bevor sie sich einer nach dem andern verabschieden. Übrig bleibt der eifrige Praktikant, selbst Student und sehr belesen, dem der letzte den Raum verlassende Redakteur noch den Tipp gibt, mal das Archiv aufzusuchen, da gäbe es bestimmt noch einen Artikel vom letzten Mal, bei dem man nur die Namen. “Ha”, denkt sich der Praktikant, “das hätten die wohl gerne. Denen muss wohl mal gezeigt werden, wo der Hammer hängt. Schließlich hat sich schon Walter Benjamin ausgiebig mit der Problematik beschäftigt, das kann man nicht einfach so zwischen Tür und Angel abhandeln”, worauf er in Nachtarbeit einen langen Essay über die notwendige Widersprüchlichkeit der Argumentations- und Demarkationslinien innerhalb der immateriell tätigen Multitude in Vorbereitung auf eine Karriere als Dauerpraktikant verfasst.
Als er das Werk am nächsten Morgen einreicht, gibt ihm der zuständige Redakteur mit einem bedauernden Zucken der Augenbraue den Ausdruck zurück: “Sehr durchdacht, aber viel zu lang. Setz dich mal mit X zusammen, aber nicht länger als 600 Zeichen.” X hingegen will schnell fertig mit dem Artikel werden, schließlich hat sich seit seinen Tagen als Hausbesetzer nicht viel im Studentenmilieu getan. “Immer noch das alte Elend”, schimpft er, “die sollten lieber mal ein Buch lesen, anstatt ständig auf die Autobahn zu rennen.” Und schreibt noch schnell ein paar Zeilen, schließlich ist nachher Hot Chip-Konzert, das möchte er ungern verpassen. Säuerlich geht der Praktikant nach Hause, nimmt sich die Dialektik der Aufklärung zur Hand und schmollt.

Warum das alles? Na, deshalb...

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