I’d rather be nobody.

Nach 15 Minuten des Wackersdorf-Films sofort verstanden, warum Authentizität blöd ist. “Total” kollokiert mit “wichtig”, Sterne sind nicht vorhanden, nichtmal die kalten der Neubauten, der Himmel ist auch leer, aber Gott hat sich nicht erschossen und das Dachgeschoss wird auch nicht ausgebaut. Sympathisch aber der Ruheständler, der meinte, wenn er nicht so alt sei, würde er auch helfen, die WAA “umzubringen”. Ach ja, Atomkraft ist selbstverständlich blöder.

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O Gedächtnis, wärst du mir doch nur so treu wie meine Rosinante! Zwei wichtige Utensilien im heimischen Domizil vergessend strandete ich knurrenden Magens in Meschede, Einkehrort und Ausgehstadt.

So machte ich mich dann auf die Suche nach einer Gaststätte und fand doch nur Verwirrung. Nachdem ich den Schlemmertreff und Mäc Snäck aufgrund mangelhafter Sitzgelegenheiten am Wegesrand zurückließ, kehrte ich in der Außenbewirtschaftung des Mescheder Grills ein, wohlweisslich, dass sich das Haus meines ehemaligen Physiklehrers nur einige Meter hinter meinem Rücken befand und vertrieb mir die Wartezeit mit der Enträtselung des örtlichen Parkleitsystems und folkloristischer Bauwerke.


Nicht genug verwundert über die sich vor mir auftuenden Rätsel wunderte mich auch die Abwesenheit eines Falafel-Gerichts auf der Speisekarte der von türkischen Mitbürgern bewirtschafteten Lokalität. Sollte das Gerücht, das mein Anhang verbreitet hatte, mit Wahrheit behaftet sein und der islamisch geprägte Kulinarraum im Gegensatz zum Marburger Libanesen keinen Platz für die jüdische Kichererbse kennen? Rätsel über Rätsel.

Merkwürdig auch die in der Heiligenstadt gepflegte Hagiographie. Das unter Schirmherrschaft von Dr. Friedrich Merz abgehaltene Beats für Benefiz zeugte mir schon von einer merkwürdigen Wahl prominenter Schutzpatrone, doch der Anrufung dieses christdemokratischen Heiligens wusste ich nichts zu entgegnen.

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The Final Countdown I

years back, in time, we hiked to the camera obscura, at our fingertips a steel
drum with pictures deep in it of the shimmering, shifting sea we live on
All over the world dive bombers are coming to get ya
(Kevin Killian: The Magic Roundabout)

*

for it is only after the fence comes down
that the cartoon bubble explodes
and the new party begins
invitation only in stealing a senator’s suitcase
let them out and dance for the ant-god

like scary magnets
to pounce upon command
upon the man, the man called aerodynamics
(Bob Pollard)

*

before our time
upon a noun
there stood still a ship.
(Danielson)

… hoffentlich werden die nächsten Tage nicht auch so.

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Aus aktuellem Anlass

könn ja schon ganz interessant sein, diese kleinen Veränderungen in der Übersetzung….

SONNET 66

Tired with all these, for restful death I cry,
As, to behold desert a beggar born,
And needy nothing trimm’d in jollity,
And purest faith unhappily forsworn,

And guilded honour shamefully misplaced,
And maiden virtue rudely strumpeted,
And right perfection wrongfully disgraced,
And strength by limping sway disabled,

And art made tongue-tied by authority,
And folly doctor-like controlling skill,
And simple truth miscall’d simplicity,
And captive good attending captain ill:

Tired with all these, from these would I be gone,
Save that, to die, I leave my love alone.

LXVI

Dies alles müd ruf ich nach Todes Rast:
Seh ich Verdienst als Bettelmann geborn
Und dürftiges Nichts in Herrlichkeit gefasst
Und reinsten Glauben unheilvoll verschworn

Und goldne Ehre schändlich missverwandt
Und jungfräuliche Tugend roh geschwächt
Und das Vollkommne ungerecht verbannt
Und Kraft durch lahme Lenkung abgeflächt

Und Kunst schwer-zungig vor der Obrigkeit
Und Geist vorm Doktor Narrheit ohne Recht
Und Einfachheit missnannt Einfältigkeit
Und Sklave Gut in Dienst beim Herren Schlecht.

Dies alles müd möcht ich gegangen sein,
Liess ich nicht, sterbend, meine Lieb allein.

das sechsundsechzigste sonett von shakespeare

ihr kotzt mich an, ich würd jetzt gerne gehn.

daß sie mein staunen immer noch bescheiden nennen
und hinter lachen nicht die armut sehn
und freien mut nicht, nur noch lüge kennen
und schamlos ihr geschwätztes konserviern
und liebstes nur zum zoten finden
und über unrecht, uns und unglück nicht mehr friern
und über jede art uns einzubinden
und die verfolgten dieser zeit bei tische mit verbieten
und herren sind und schrecklich unentzweit
daß alle aufrechten aus ihrer welt gerieten
und so gefahr mir droht: gewöhnung ist nicht weit.

und wie gesagt: ihr kotzt mich an;
doch mir zum gehn fehlt dieser dort
schweigende und redende und mir so liebe mann.

.

In Zeiten studentischer Protestbewegungen stelle ich mir eine Redaktionssitzung linksradikaler Medien ungefähr wie folgt vor:

CvD: ..und dann wäre da noch das Thema “Studentenproteste”. Die sind ja nicht zimperlich diesmal. Aber was haben sie theoretisch zu bieten? Wollen wir darüber was machen?

Unterdessen langweilen sich die Redakteure, lesen lieber de-bug oder Titanic, bevor sie sich einer nach dem andern verabschieden. Übrig bleibt der eifrige Praktikant, selbst Student und sehr belesen, dem der letzte den Raum verlassende Redakteur noch den Tipp gibt, mal das Archiv aufzusuchen, da gäbe es bestimmt noch einen Artikel vom letzten Mal, bei dem man nur die Namen. “Ha”, denkt sich der Praktikant, “das hätten die wohl gerne. Denen muss wohl mal gezeigt werden, wo der Hammer hängt. Schließlich hat sich schon Walter Benjamin ausgiebig mit der Problematik beschäftigt, das kann man nicht einfach so zwischen Tür und Angel abhandeln”, worauf er in Nachtarbeit einen langen Essay über die notwendige Widersprüchlichkeit der Argumentations- und Demarkationslinien innerhalb der immateriell tätigen Multitude in Vorbereitung auf eine Karriere als Dauerpraktikant verfasst.
Als er das Werk am nächsten Morgen einreicht, gibt ihm der zuständige Redakteur mit einem bedauernden Zucken der Augenbraue den Ausdruck zurück: “Sehr durchdacht, aber viel zu lang. Setz dich mal mit X zusammen, aber nicht länger als 600 Zeichen.” X hingegen will schnell fertig mit dem Artikel werden, schließlich hat sich seit seinen Tagen als Hausbesetzer nicht viel im Studentenmilieu getan. “Immer noch das alte Elend”, schimpft er, “die sollten lieber mal ein Buch lesen, anstatt ständig auf die Autobahn zu rennen.” Und schreibt noch schnell ein paar Zeilen, schließlich ist nachher Hot Chip-Konzert, das möchte er ungern verpassen. Säuerlich geht der Praktikant nach Hause, nimmt sich die Dialektik der Aufklärung zur Hand und schmollt.

Warum das alles? Na, deshalb...

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