Dass ein wenig Pech auch durch fortgeschrittene Meditation über Ursache des Pechs nicht gelindert werden dürfte, für diese Einsicht hat Kathrin Passig immerhin den Bachmann-Bewerb gewinnen dürfen.

Trotz allem hat mir mein heutiges Zugverspätungsunglück zu interessanten Einsichten über die menschliche Bedingung verholfen. Zum einen habe ich gelernt, dass im Moment der tiefsten Verzweifelung über das Nichteinhalten des Fahrplanes aus allen Menschen plötzlich Brüder werden, vereint im Zorn auf den anonymen Feind Deutsche Bundesbahn.

Ok, das war gelogen, das wusste ich schon.

Aber wirklich neu war mir, dass ich einen Gesprächspartner älteren Kalibers mit einer Anekdote beeindrucken konnte, die mir eigentlich nur aufgrund ihrer Absurdität (alltagssprachlich dies, nicht im Theaterkritiker-zur-Weißglut-reizenden Sinne gemeint) im Gedächtnis geblieben ist:

“Und Cruyff, der Fußball-Genius, tigerte in der Nacht vor dem Finale qualmend auf und ab und erschien leichenblass zur Seitenwahl. “Er spielte lausig”, schreibt Kok. Eine Titelstory der Bild (“Cruyff, Sekt, nackte Mädchen und ein kühles Bad”) war Auslöser der Unpässlichkeit. Die Oranje-Stars hatten mit Groupies am Pool gefeiert. Nach dem Bericht musste der Spielmacher in langen Telefonaten seine Frau beruhigen. Michels witterte eine Kampagne deutscher Medien und sprach nurmehr Holländisch. “Krieg”, sagt Kok, sei damals eine Lieblingsvokabel des “Generals” gewesen.”

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