Nudefart, nudesmack!

An dieser Stelle mal ein neues Musik-Roundup. Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben sollten, es gibt zu diesem blog auch einen regelmäßigen podcast. Ansonsten sind Fans ausführlichster Plattenrezensionen gut beim lichter-fanzine aufgehoben, alleine die letzte Mogwai-LP bekommt dort mehrere Bildschirmseiten. Vollkommen die Waffen streckend fasse ich mich also heute kurz.

Ein ganz besonders lang erwartetes Highlight ist meines Erachtens die neue Matmos-CD “The Rose has Teeth in the Mouth of the Beast”. Wie von meiner Leserschaft nicht anders zu erwarten, hat bestimmt jeder sofort den Wittgenstein-Bezug erkannt, den Drew und Martin folgendermaßen ankündigen: “For those who would like to sing along, the text appears in part II, chapter eleven.” Aber auch ansonsten hat dieses feine Stück Musik durchaus einiges zu bieten, nämlich eine Reihe von Tribute-Versionen. Anthony singt beim “Semen Song for James Bidgood“, und ich möchte eigentlich gar nicht so recht wissen, aus welchem Rohmaterial die Sounds gesampelt sind. Anders allerdings “Snails and Lasers for Patricia Highsmith”. Um der Kriminalautorin Schlagenliebe gerecht zu werden wurden mehrere Exemplare in einen Behälter gefüllt, dieser zwischen ein lichtgesteuertes Theremin und eine Lampe gestellt und schon hat man eine Menge Sounds zu Verfügung, die zusammengefügt ein feines Stück Suspense ergeben. Was einem spätestens in diesem Moment klar werden sollte, ist wie stark die Referenzen nicht nur die Soundquellen, sondern auch die Arrangements der einzelnen Stücke mitbestimmen: “Steam and Sequins for Larry Levan” ist zum Beispiel das feinste House-Stück außerhalb von New York und nach 1991. Und auch “Rag for William Burroughs” lässt einen nicht einen Moment im Unklaren darüber, an welchem Ort der Rechenmaschinen-Erbe seine Erbschaft für Drogen verpulverte. Und das ist dann auch der entscheidende Schuss Populismus, der den Unterschied zur ähnlich gelagerten “Ekkehard Ehlers plays…”-Serie deutlich macht, deren Referenzen durch die digitale Bearbeitung letztendlich dann doch nur nach den verwendeten Plug-Ins klangen. Zu Sehen gibt es diese “Musique Concrete for the Masses” angeblich im September.

Positiv angetan bin ich auch von den Briten Hassle Hound, deren “Lucky Bugs Win Prizes” nicht nur die Website ihres Labels in Dauerschleife ziert, sondern gleiches auch mit meinem letztjährigen Sizilien-Urlaub unternahm. Irgendwo habe ich was von “Harry Partch meets Electronica” gelesen und das bringt es ganz gut auf den Punkt. Banjo, Akustikgitarre und ein angenehmes Drumprogramming und fertig ist Musik für die Lagerfeuer, die mir leider durch die Mundorgel verdorben wurden. Hassle Hound und Katholizismus, das wäre zwar eine zukunftsträchtige Allianz, Gottseidank aber ohne weitere Worte.

Für den Schluss möchte ich dann noch gerne auf meinen neuen Lieblings-Stream hinweisen. Pure Data heisst die Herausforderung an das Abstraktionsvermögen musikproduzierender Menschen, den Hörern macht man es ein wenig leichter. Eine sympathische Computerstimme kündigt die Titel und ihre Zutaten an, soviel Didaktik sollte durch aufmerksames Zuhören belohnt werden. Und wer sich traut, den Stream bei der LiquidLounge im Havanna 8 ununterbrochen zu spielen, dem gebe ich persönlich einen dieser komischen Cocktails aus.

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