Shout it out loud!

Eigentlich bin ich sehr zufrieden mit meinen Freunden, allesamt interessierte Zeitgenossen. Alleine in diesem Jahr haben sie mir wirklich tolle Dinge ans Auge und Ohr gebracht. Thomas, z.B. hat mir schon vor einiger Zeit “Greetings from Michigan” in die Hand gedrückt und die ist mir genau wie sein Nachfolger “Come and feel the Illinoise” ziemlich ans Herz gewachsen. Johannes, auf der anderen Hand, hat vollkommen Recht, wenn er den Film Noir immer lobt. Christian ist eh nie genug zu danken, ein super Abend bei Sam Prekop und viele interessante Gespräche später bin ich um einiges schlauer, was den Journalismusbetrieb so angeht. Guido hat endlich den Absprung aus der Kleinstadt geschafft, viel Glück in Berlin, Guido! Bastian treibt sich auch so in der weiten Welt herum und weiss hoffentlich bald einiges über den Antisemitismus der Österreicher und seine Auswirkungen auf die Geschichtsphilosophie des Wiener Kreises zu berichten. Dennis, mein liebster Serienjunkiefreund, darf natürlich nicht unerwähnt bleiben, Veronica Mars hat einen festen Platz in meinem wöchentlichen Schedule, dafür sei ihm auch der dämliche Hobbykicker-Humor verziehen!

Vielen Dank euch allen!

i care but who else does?

Beim gemeinsamen Auflegen hat mich mein DJ-Kollege mit einem Track von I care because you do ziemlich kalt erwischt. “Cooles Stück”, dachte ich noch, “mal schauen, was es denn eigentlich ist.” Beim Betrachten der Platte bin ich dann fast vom Hocker gefallen, ein 10 Jahre alter Release, den ich damals rauf und runter gehört habe. Und der trotzdem irgendwie frisch und interessant klang. Äußert sich so Elektronik-Nostalgie?

Empfehlung für Falken


Nachdem er letztens so gelobt wurde, habe ich mich tatsächlich mal bewusst einem Film von Howard Hawks ausgesetzt. “To Have and Have Not” befand sich im Repertoire unserer Stadtbücherei und ist eine Verfilmung des Schriftstellers, den ich auf den Tod nicht ausstehen kann: Ernest Hemingway. Faulkners Mitarbeit am Drehbuch ließ jedoch die erste Abneigung schwinden und ich wurde nicht enttäuscht. Den Plot zu erzählen ist eigentlich müßig, meine Aufmerksamkeit galt den beiden Protagonisten.
Weder Bogart noch Bacall lassen den Glauben an eine höhere Moral oder Macht erkennen, sie handeln pragmatisch. Bacall schlägt sich als Taschendiebin durch, Bogart schützt mit Empathie und Umsicht sein Leben und das seines Maats Eddie. Nicht mehr und vor allem, nicht weniger. Der Film kommt ohne rührselige Epiphanien aus und besingt ein Anti-Heldentum, das man nur als eins bezeichnen kann: als vorbildlich.

Bebilderte Absagen ans Heldentum auch hier: “16 Military Wives” von den Decemberists

Und falls sich jemand an der einseitigen Amerika-Kritik stört: eine Erinnerung an den Kosovo-Krieg

The Robocop Krauts

Aus gegebenem Anlass hier ein Veranstaltungshinweis: Junge Menschen verschiedener Gruppierungen haben weder Kosten und Mühen gescheut, eine Diskussionsveranstaltung allererster Kajüte zu organisieren. Am 10.12. werden viele Menschen gute Argumente gegen Deutschquote, Heppner und sonstige Unannehmlichkeiten dem geeigneten Publikum vortragen. Dem international besetzten Podium folgt eine Schaurevue mit den internationalen Gaststars The Robocop Kraus (Nürnberg), peters (Hamburg) und D&B-DJs aus Trier. Pflichttermin! Wo? Trauma@G-Werk !

Two Sequencers and a Microphone

Dass in der Electronica wieder gesungen wird, finde ich eigentlich ganz gut. Mouse on Mars machen R&B mit Niobe als Gastsängerin, selbst die CutUp-Spezialisten von The Books greifen zu den eigenen Stimmbändern. Das ist alles sehr schön, aber niemand singt toller als Christof Kurzmann. Image hosted by Photobucket.com

Nicht nur dass er zusammen mit Burkhard Stangl eine halbstündige Interpretation von Prince’ “Sometimes it snows in April” auf CD gepresst hat, auch als Gastsänger macht er eine ausgesprochen gute Figur. So z.B. auf der neuen CD von Static. Mit tatkräftiger Unterstützung durch Hanno Leichtmanns Sequenzen und Martin Siewerts Slideguitar singt von den ganz banalen Dingen: Ein Mensch zieht um, die mit dem Umzug verknüpften Hoffnungen erfüllen sich nicht und seine Beziehung zerbricht. Und dabei lässt er eigentlich kein Klischee aus: natürlich endet das Ganze im Winter und auch der Paarreim ist nicht vom Verschwinden bedroht. Kurzum, eigentlich alles wofür man regelmäßig den Sender wechselt, wenn der Suchlauf bei HR4 landet.

Und trotzdem ist es bei Kurzmann anders. Ob es daran liegt, dass man irgendwie ahnt, wieviel Wissen um die Wirksamkeit von simplistischen Lyrics eigentlich nötig ist, um diese so hinzukriegen? Weil man weiß, wieviel Auskennertum Kurzmanns EA-Improvisationen zugrunde liegt? Oder ist es einfach nur die Dreistigkeit mit diesem Wiener Englisch ernsthaft singen zu wollen?